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Die Stärke “Bedeutsamkeit”

Das Gallup-Stärkenmodell beschreibt 34 Stärken, die in ihrer jeweiligen Reihenfolge, ihrem Ranking, die ganz persönliche und einzigartige Talent-Signatur eines Menschen abbilden. Diese Talente – wir sprechen von Stärken, wenn diese Talente genutzt und entwickelt werden – sind Voraussetzung und Basis für ein ganz spezifische Art, die Welte wahrzunehmen, sich intrinsisch zu motivieren und mit Freude in (Leistung-)Verhalten umzusetzen. Und das Ganze mit Leichtigkeit und ganz natürlich, d.h. im Grunde unbewusst. Ausser wir machen uns das bewusst und nutzen dieses Bewusstsein, um immer mehr das Beste von dem zu werden, was bereits durch unser Stärkenprofil angelegt ist.

“Eigenlob stinkt”
(Deutsche Redensart)

Was nun? Stimmt Eigenlob jetzt oder stinkt es?
Ich denke, dass ist nicht so einfach zu sagen. Da spuken kulturell tief verwurzelt in unseren Köpfen immer wieder diese Redensarten herum, die uns auf ein gesellschaftlich-kulturell erwünschtes Denken und Verhalten ausrichten, uns einregeln, nicht selten eingrenzen:
Träume sind Schäume!
Die Bäume wachsen nicht in den Himmel!
Was Hänschen nicht lernt…!
Lieber den Spatz in der Hand…!
und, und, und.

Sehr lohnend, sich damit einmal eingehender zu beschäftigen. Hier und heute geht es allerdings fokussiert um eine andere Redensart, die ebenfalls das Potenzial hat, unser aller Wunsch nach Gesehen-Werden, Anerkennung und Wertschätzung zu bekommen, einfach toll, einzigartig, als Mensch bedeutend zu sein, zu beeinflussen, zu mäßigen; vielleicht auch, uns nicht zu groß,  zu “selbstverliebt” werden zu lassen.

“Eigenlob stinkt”

Und weil sich hier in uns immer auch Widerstand regt aus diesem berechtigen Bedürfnis nach Gesehen-Werden usw. (s.o.) wurde ein “Gegenzauber” formuliert:

“Eigenlob stimmt” oder in anderem Gewande: “Bescheidenheit” ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr”. Irrtümlich Wilhelm Busch zugeschrieben und nach meinen Recherchen irgendwann in Vorpommern zum ersten Mal aufgetaucht. Seitdem hat dieser “Sinnspruch” richtig Karriere gemacht. Die Begründung ergibt sich aus dem bisher Gesagten.

Nun aber zu unserer Stärke “Bedeutsamkeit”, deren Hintergrund wir hoffentlich ausreichend beleuchtet haben. Bedeutsamkeit ist eine Stärke aus dem Cluster “Einflussnahme”.

Wie alle Stärken ist diese weder gut noch schlecht, sondern ein Talent von 34 Stärken im Gallup-Stärkenmodell. Und sehr individuell in ihrer Ausprägung als Ergebnis einer komplexen Auseinandersetzung mit der Dichotomie: “Stimmt oder Stinkt”

 

Wie drückt sich Bedeutsamkeit aus?

Bedeutsamkeit als eine Stärke in der Talentkategorie Einflussnahme zeigt sich

… in der Selbstverständlichkeit, wie jemand im Rampenlicht steht und agiert mit einer klaren Botschaft, einem klar formulierten Anspruch.
… in einer starken Motivation, im eigenen Beitrag den Unterschied zu machen, etwas Bleibendes zu kreieren.
… in der Erwartung, dass auch andere in dieser Weise agieren und ihren Beitrag bringen, wenn auch manchmal, ohne dies in aller Deutlichkeit zu kommunizieren.
… im Betonen des eigenen Beitrags und dessen Wert als Ansporn und Forderung für andere, auf das große Ziel sich konsequenter auszurichten.

 

Wie kann Bedeutsamkeit möglichst konstruktiv zur Geltung gebracht werden?

Wer “Bedeutsamkeit” zu seinen dominanten Stärken zählt, sollte unbedingt darauf achten,

  • wie er/sie von den anderen wahrgenommen wird und
  • … sich dazu immer wieder Feedback zu holen als Voraussetzung eigene Ressourcen immer mehr auf die eigenen großen Ziele auszurichten.
  • wie gut das eigene Verhalten dazu geeignet ist, andere zu motivieren, die großen Themen gemeinsam umzusetzen und
  • … wie der eigene Beitrag als überzeugend und motivierend wahrgenommen werden kann.

 

Wenn mehr “Bedeutsamkeit” im eigenen Tun gebraucht wird 

Wenn Bedeutsamkeit nicht zu den gut zugänglichen Talenten zählt, also im Ranking der 34 Talente in der zweiten Hälfte zu finden ist, aber für die zu erfüllenden Aufgaben eine entscheidende Bedeutung hat, kann dies bewusst gefördert werden, es sozusagen im Ranking nach oben “zu schieben”. Und tatsächlich kann es durchaus von Bedeutung für die Wirksamkeit des eigenen Beitrags sein, dass andere dies auch sehen, anerkennen und damit eigenes Verhalten anders auszurichten.

Die Antwort auf folgende Fragen kann hilfreich sein, sich und/oder die eigenen Leistungen sichtbarer zu machen:

  • Wer kann dabei assistieren, meine Sichtbarkeit und Bedeutung nach aussen zu dokumentieren?
  • Wie kann ich meine Erfolge und meinen Beitrag angemessen dokumentieren und kommunizieren?
  • Wie erkenne ich konkret, wie andere mich wahrnehmen, meine Leistung, meine Exzellenz, meinen Beitrag, um dann auf meine Weise angemessen diese Wahrnehmung zu steuern.
  • Welche Talente bringe ich in ein Gemeinsames ein, damit Aufgaben erfolgreicher bewältigt und Ziele zuverlässiger erreicht werden.

 

Wenn die Stärke Bedeutsamkeit “aus dem Ruder zu laufen droht” und damit sich ins Gegenteil verkehrt

Da Stärken für uns eine hohe Bedeutung haben, uns als die zu erleben und zu geniessen, die wir aktuell sind, streben wir danach, diese zu leben und zu spüren, immer auch mit der Gefahr eines “Zuviel”.

Damit Bedeutsamkeit nicht in Egozentrik oder Arroganz ausufert, sollte ihr “Einfühlungsvermögen” und “Einzelwahrnehmung” an die Seite gestellt werden.

“Einfühlungsvermögen” ist – wie die Bezeichnung schon nahelegt – ein Vermögen, die Gefühle, die inneren Prozesse, die ungefragten Fragen des Gegenüber wahrzunehmen, zu spüren als Antworten auf die Fragen: Wie geht es meinem Gegenüber gerade? Wo steht er/sie? Wie ist er/sie dabei? Wie bin ich gerade im Kontakt? Wo ist oder droht evtl. Widerstand?
Menschen mit einer Dominanz auf “Bedeutsamkeit” geraten manchmal in die Gefahr, wie im Tunnel auf die selbst gesteckten hohen Ziele, das große Werk zu fokussieren, auf der Bühne zu sein und zu vergessen, dass man alleine gar nichts erreicht. Im Coachingprozess geht es hier darum, genau hinzuschauen, welche Möglichkeiten darüberhinaus noch im Stärkenprofil sichtbar werden, den Tunnel wahrzunehmen und andere immer wieder mitzunehmen. “Kommunikationsfähigkeit” kann hier ebenfalls sehr gute Dienste leisten.

“Einzelwahrnehmung” als Stärke und Fähigkeit, das Einzigartige, die einzigartigen Talente und Fähigkeiten im Gegenüber zu erkennen, kann hier durch bewusste Fokussierung darauf ebenfalls der “Bedeutsamkeit” assistieren, diese ergänzen und in ihrer Wirksamkeit steigern, weil dann nämlich klarer wird, welche Beiträge noch aktivierbar sind, um das eigene große Ziel besser und schneller zu erreichen.

Mehr zum Thema “Stärkenorientierung” finden Sie hier:

Der Ansatz „Stärkenorientierung“– Alle PS auf die Strasse bringen!

Das intensive 2-Tages-Stärkentraining: Stärken stärken – Schwächen schwächen

Das Stärkencoaching – erst schnuppern, dann geniessen. Stärken bewusst erkennen und optimal einsetzen. Das Beste von sich selbst werden!

Georg Pfreimer  .  7. Juli 2023