work for change . Blog

Die Stärke “analytisch”

“Haben wir das auch wirklich gründlich durchdacht?” “Das erscheint mir irgendwie nicht logisch”. “Ich habe den Eindruck, die Fakten sprechen eine andere Sprache. Da müssen wir nochmal ran.”

So oder so ähnlich hört es sich an, wenn das Talent “analytisch” arbeitet. Man kann das hören. So wie man alle Stärken von Menschen in Aktion erleben kann, wenn man sich deren faszinierender Vielfalt nach und nach immer mehr bewusst wird.
Der offensichtliche Nutzen:

  • Mein Gegenüber besser verstehen und wertschätzen können (andere sind anders und das ist gut so und vor allem wichtig, wenn es um erfolgreiche Kollaboration geht).
  • Eigene Sichtweisen und Gewichtungen (letztlich das Ergebnis unserer Stärkenfilter) relativieren und vielleicht dann anders einbringen.
  • Die Produktivität des Zusammen-“Wirkens” bewusster steuern.
  • und noch einiges mehr.

Jetzt aber zurück zu unserer Stärke “analytisch”.

Was kennzeichnet also das Talent/die Stärke:

“Analytisch”, ein Talent aus dem Cluster “Strategisches Denken” lässt sich assoziieren mit…

… drängen auf widerspruchsfreie Evidenz
… gründliches, faktenzentriertes Denken
… Logik, Logik, Logik.
… wenn man nur gründlich genug nachdenkt, dann kann man alles verstehen.
… “lassen Sie uns das mal objektiv betrachten”
… “hieb- und stichfeste” Argumente, drunter mach ich’s nicht
… “alles eine Frage des Algorithmus”

Welchen Nährboden braucht das Talent “analytisch”, damit es sich entfalten und entwickeln kann?

  • die Herausforderung, mit komplexen Zusammenhängen lösungsorientiert zu arbeiten.
  • alle Fragestellungen, die ein hohes Mass an Objektivität erfordern.
  • in einem Umfeld, wo Versachlichung eine wichtige Rolle spielt.
  • Zeit, sich gründlich mit schwierigen Fragestellungen zu beschäftigen.

Welche Schattenseiten hat das Talent “analytisch”?

  • Gedanken und Bedenken, die nicht rational begründet werden können, aber möglicherweise  eine Rolle spielen, werden beiseite gewischt.
  • Innovationen werden gehemmt, wenn nicht noch das letzte Risiko weganalysiert ist.
  • Alles und jedes wird in Frage gestellt, was Konflikte fördern kann.

Mit diesen “Übertreibungen” erzeugt die Stärke “analytisch” Widerstand im Umfeld/Team und hemmt u.U. die Produktivität in Entscheidungsprozessen. Beim Einzelnen kann eine Überwertigkeit in der Nutzung dieses Talents Stress auslösen, weil eine 100%-Logik mehr Fiktion als Realität ist.
Im Coaching werden wir versuchen, mehr die Talente aus den Clustern “Beziehungsaufbau” und “Durchführung” ins (soziale) Spiel zu bringen, denn eine sehr präzise analytische Arbeit braucht ein klare Einordnung in Werte und Prinzipien (Durchführungs-Talent “Überzeugung”), um Akzeptanz und Gefolgschaft zu generieren und mindestens genauso die Fähigkeit, andere für die Relevanz “stringenter Analyse” zu gewinnen (Beziehungsaufbau-Talent “Einfühlungsvermögen”), denn nicht jeder ist in der Lage, so virtuos logische Verknüpfungen und die Wahrnehmung von Risiken zu handhaben. Intuition und Gefühle haben einen wichtigen Platz in produktiven Prozessen.

Je nach der individuellen und einzigartigen Stärkensignatur können Talente, die nicht unter den Top 5 oder Top 10 sind stärker ins Bewusstsein und in die Nutzung gebracht werden. Ein sehr individueller Prozess, der Fingerspitzengefühl und eine breite Erfahrung im Coaching erfordert. Die konzentrierte Beschäftigung mit den eigenen Stärken und das Erkennen, dass es die Mischung macht und es viele Möglichkeiten gibt, das Stärkenorchester immer besser in Einklang zu bringen, macht den Reiz und den Erfolg des Stärkencoaching aus. Zu erkennen, dass es um einen intelligenten “Ressourcenmix” – denn Stärken sind natürlich unsere Ressourcen – geht, um immer mehr das Beste aus dem zu machen, was man in der Anlage schon ist.

Georg Pfreimer  .  21. Juli 2021