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Die Stärke “Höchstleistung”

Das Gallup-Stärkenmodell beschreibt 34 Stärken, die in ihrer jeweiligen Reihenfolge, ihrem Ranking, die ganz persönliche und einzigartige Talent-Signatur eines Menschen abbilden. Diese Talente – wir sprechen von Stärken, wenn diese Talente genutzt und entwickelt werden – sind Voraussetzung und Basis für ein ganz spezifische Art, die Welte wahrzunehmen, sich intrinsisch zu motivieren und mit Freude in (Leistung-)Verhalten umzusetzen. Und das Ganze mit Leichtigkeit und ganz natürlich, d.h. im Grunde unbewusst. Ausser wir machen uns das bewusst und nutzen dieses Bewusstsein, um immer mehr das Beste von dem zu werden, was bereits durch unser Stärkenprofil angelegt ist.

Heute betrachten wir das Talent/die Stärke “Höchstleistung” – ein Talent aus dem Cluster “Einflussnahme”, denn da scheint jemand alles zu versuchen, Perfektion zu erreichen, d.h. Menschen, Prozesse und Bedingungen so zu beeinflussen und zu steuern, dass das Optimale am Ende steht.

“Gar nicht erst den Versuch zu unternehmen, alles zu sein, ist klug. Nicht an allem zu arbeiten, sondern stattdessen die Entwicklung weniger ausgeprägter Talente zu forcieren, ist das Rezept für Spitzenleistung.” (Donald O. Clifton, Psychologe und Führungskraft, Entwickler des Strengthsfinder, des Online-Assessments zur Analyse der eigenen Talentsignatur – der Gallup-Strengthsfinder)

Von Tiger Woods, dem vielleicht talentiertesten und einem der größten Golfspieler aller Zeiten, lesen wir auf Wikipedia: Im Alter von sechs Monaten ahmte Woods schon Golfschwünge seines Vaters nach. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Tiger_Woods). Und das ging dann so weiter. Es soll zu Beginn seiner Profikarriere 13 Stunden am Tag Training haben und auch noch als scheinbar schon perfekter Golfer ein hartes Trainingsprogramm beibehalten haben.

Das sind ganz aus nach…

  • … höchster Konzentration auf die eigene Stärke.
  • … streben nach Perfektion.
  • … einem sehr starken Fokus auf das, was sie tun und von dem sie fasziniert sind. Anstatt sich damit aufzuhalten, was ihnen evtl. abgeht und wo ein unverhältnismässiger Einsatz nötig wäre, um Fortschritte zu erzielen.
  • … dem Streben nach einer hohen Kompetenz, sich stetig weiterzuentwickeln und die Qualität des eigenen Tuns zu steigern.

In Analogie dazu erkennen sie in ihrem Umfeld auch noch die feinsten Anzeichen von Talent, das sich entwickeln kann, fördern und nutzen diese, so wie wir das hier im Blog an anderer Stelle im Schiller-Zitat über Wallenstein lesen konnten:

“Und eine Lust ist’s, wie er alles weckt
und stärkt und neu belebt um sich herum, 
wie jede Kraft sich ausspricht, jede Gabe gleich deutlicher sich wird in seiner Nähe! 
Jedwedem zieht er seine Kraft hervor, die eigentümliche, und zieht sie groß.” (Führen mit Charisma)
Menschen mit einer großen Stärke “Höchstleistung” suchen andere, die ebenfalls dieses Feuer spüren und meiden diejenigen und meiden solche, die dazu neigen, den Durchschnitt zu propagieren (“Träume sind schäume”). Eher sind sie fasziniert von dem Motto: Don’t dream it, be it.
Welche Rahmenbedingungen und welche Förderung braucht das Talent “Höchstleistung” um zu einer dominanten Stärke zu werden, die für den einzelnen, aber auch das Team höchsten Nutzen stiften kann?
  • wenn es wichtig ist, dass alle Ressourcen und Talente genutzt werden, um ein möglichst optimales Ergebnis zu erzielen, sollten Menschen mit dieser Stärke in einer führenden Position sein.
  • wenn ein Klima geschaffen werden soll, wo alle Wahrnehmung auf Fähigkeiten, Talente und Stärken auszurichten ist.
  • wenn ein Klima der Zufriedenheit konfrontiert und auf Optimierung ausgerichtet werden soll, sind Menschen mit dieser Stärke die Treiber und Motivatoren und werden Menschen optimal nach deren Stärken einsetzen und fördern, um ein maximales Ergebnis zu erreichen.
  • wenn eine Person mit der Stärke Höchstleistung ein Umfeld hat, in dem sie sich stetig weiterentwickeln kann.

Wie wir immer wieder hier diskutieren, kann eine Stärke überwertig werden, sich um sich selbst drehen, weil die Möglichkeit, seine Stärken auszuleben, immer auch ein sehr positives Selbstgefühl und nicht selten eine Flow-Erfahrung mit sich bringt. Bzw. die eingeschränkte Ausübung einer Stärke eben ein negatives Selbst(wert)gefühl mit sich bringen kann.

So wie eine überwertige Leistungsorientierung in einen Burn-Out münden kann, kann “Höchstleistung” …
… zu notorischer, nagender Unzufriedenheit
… im Umgang mit anderen zu nicht konstruktiver Kritik bis zur Abwertung oder
… zu einem Kontrollzwang führen und notwendige Delegation erschweren oder sogar verhindern mit der Konsequenz, dass Kompetenzentwicklung gehemmt wird.
… eine ständige Überarbeitung und noch eine Iterationsschleife erzwingen und damit Konflikte im Umfeld nach sich ziehen.

Wie können nun diese Überwertigkeiten balanciert werden? Welche “Assistenzstärken” tragen dazu bei, dass Höchstleistung sich zum größten Nutzen für die einzelne Person, wie das Umfeld entfalten und entwickeln kann?

Da “Höchstleistung” ein Einflusstalent ist und Einfluss das Ziel hat, die Welt nach dem eigenen Bilde zu formen, werden hier gerne mal die “Mitspieler” mit ihren Bedürfnissen, Werten und auch Talenten übersehen. Es geht um “Meine Höchstleistung”. Da liegt es nahe, im Cluster “Beziehungsaufbau” nach Talenten zu suchen, die als Mitspieler die Einflussstärke, hier: Höchstleistung” moderieren und damit optimieren. Da fällt gleich mal die “Einzelwahrnehmung” auf, die sich auf das Gegenüber und dessen Stärken konzentriert. Oft findet sich diese Stärke auch in der Talentsignatur neben oder ganz in der Nähe der “Höchstleistung” und kann deswegen im Coaching stärker herausgearbeitet und neben die Höchstleistung gestellt werden, um diese zu balancieren und damit zu stärken (Stärken stärken!). Ebenso hilfreich wäre es, das Talent “Einfühlungsvermögen” in seiner Präsenz im Alltag zu reflektieren und ebenfalls an die Seite der Höchstleistung zu stellen.

Man sieht hier deutlich, wie Talente in ihrer Dynamik analysiert und deren Zusammenspiel modelliert werden kann. Das ist dann die Aufgabe des Stärkencoachs.

 

 

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Georg Pfreimer  .  27. August 2021